Dass TikTok, Instagram und andere soziale Medien nicht gerade gut für uns sind, sollte wohl jedem bekannt sein. Doch viele unterschätzen, welchen Einfluss diese Kanäle wirklich auf uns haben.
Täglich scrollen wir von Video zu Video, von Foto zu Foto, von einer Person zur nächsten. Während viele Videos auf den ersten Blick harmlos erscheinen und die Creators auch nicht zwingend etwas anrichten wollen, haben diese Videos dennoch einen gewissen Einfluss auf uns.
Ob wir es wollen oder nicht – einen großen Teil der Zeit vergleichen wir uns mit diesen Leuten im Internet, egal ob es Situationen sind, in denen wir merken, wie gut es uns eigentlich geht – oder eben das Gegenteil. Es wird immer jemanden geben, dem es anscheinend besser geht oder der mehr hat als man selbst, und genau das macht Social Media noch einmal deutlicher. Vor allem Jugendliche konsumieren im Schnitt eher Lifestyle-Content. Seien es die Outfit-Checks mit reinen Markenklamotten und einem abnormal großen Kleiderschrank, die Videos von der Person, die anscheinend reicher und hübscher ist als man selbst, oder die Vlogs von der Person, die dieses Jahr zum fünften Mal auf den Malediven Urlaub macht. Täglich werden wir auf Social Media mit den Dingen konfrontiert, die wir nicht haben. Auch eine Studie von Andrea Irmer und Florian Schmiedek vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation spiegelt dies wider. Für die Studie befragten sie 200 junge Menschen im Alter von zehn bis 14 Jahren und das Ergebnis ist eindeutig: Je mehr Social Media sie konsumierten, desto unzufriedener waren sie am Abend.
Ein weiteres zunehmendes Problem ist Hass im Internet. Fast auf Anhieb findet man unter nahezu jedem Video zahlreiche Hasskommentare – unabhängig davon, ob das „nur“ einfacher Spott, ein unlustiger Witz oder ernstzunehmendes Mobbing ist. Postet eine etwas fülligere Frau ein Video, wird es ziemlich sicher Kommentare zu ihrer Figur geben. Aber nicht nur in diesem Fall – ist man zu dick, zu dünn, zu muskulös „für eine Frau“ oder nicht sportlich genug, nicht hübsch genug oder auf der Suche nach „männlicher Aufmerksamkeit“ – immer wird es Beleidigungen und Spott in den Kommentaren geben. Die Befragung „Lauter Hass, leiser Rückzug. Wie Hass im Netz den demokratischen Diskurs bedroht“ aus dem Herbst 2023 zeigt genauere Ergebnisse. Mehr als 3.000 Leute wurden in Nordrhein-Westfalen befragt und rund 45 Prozent gaben an, bereits Hass im Internet gesehen zu haben (dabei waren es bei den 16- bis 24-Jährigen ganze 69 Prozent); 15 Prozent haben so etwas selbst erlebt. Hasskommentare sind nicht nur für die Person, die es direkt betrifft, verletzend, sondern auch für die Leute, die so etwas lesen. Liest man solche Kommentare unter einem Video einer Person, mit der man sich eigentlich identifizieren kann, lässt das auch an einem selbst Zweifel aufkommen. Abgesehen davon ist Cybermobbing viel zu normalisiert.
Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass Social Media gerade für Kinder und Jugendliche stärker reguliert, wenn nicht sogar unzugänglich sein sollte. Natürlich ist es auch eine schöne Art, sich mit seinen Freunden auszutauschen – und das darf man nicht außer Acht lassen –, aber es hat nun mal auch so viele negative Einflüsse, gerade in einer so beeinflussbaren Phase des Lebens. Social Media hat einen so großen Teil unseres Lebens eingenommen. 93 Prozent aller 12- bis 19-Jährigen nutzen täglich Social Media, zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH in Hannover. Laut der KKH kann dies unter anderem zu einem Anstieg motorischer Entwicklungsstörungen oder Sprachstörungen führen. Außerdem führt ein ungesunder Konsum von Social Media zu psychischen Belastungen wie verringertem Selbstwertgefühl, Suchtgefahr oder sozialer Isolation. Zudem zeigt die Studie „Cyberlife V – Spannungsfeld zwischen Faszination und Gefahr“ des Bündnis gegen Cybermobbing, dass jeder vierte Betroffene von Cybermobbing Suizidgedanken äußerte und etwa jeder achte zu Alkohol oder Tabletten griff.
Ein richtiger Umgang mit Social Media und eine bewusste Medienkompetenz sind also essenziell. Dazu gehören vor allem Datensicherheit, ein Konsum in Maßen sowie eine respektvolle Kommunikation. Wichtig ist ebenfalls, jegliche Fakten zu prüfen und nicht blind darauf zu vertrauen. Außerdem: Vergesst nicht, dass nicht alles auf Social Media so ist, wie es scheint. Kein Leben ist perfekt und jeder hat seine eigenen Probleme. Passt auf euch auf!

