Skip to content

Wenn Kleidung zur Grenze wird

Kleider machen Leute – das ist uns wohl allen bekannt. Aber was passiert, wenn Kleidung zu Ausgrenzung führt? Was passiert, wenn Kleidung nicht mehr Kreativität, sondern Mobbing bedeutet?

Stellt euch vor: Ihr steht morgens auf und macht euch fertig für die Schule. Eigentlich freut ihr euch. Ihr habt gerade erst ein neues Outfit gekauft und könnt es kaum erwarten, es zu tragen. Ihr zieht euch an, schaut noch ein letztes Mal in den Spiegel und lächelt zufrieden. Dann macht ihr euch auf zur Schule. Als ihr die Schule betretet, merkt ihr schnell, wie ihr angeschaut werdet. Das beliebte Mädchen tuschelt mit ihren Freunden und dann hört ihr: „Schönes Outfit.“ Darauf folgt Gelächter. Ihr schaut an euch herunter und fragt euch, was an diesem Outfit falsch sein soll. Eigentlich wart ihr zufrieden. Eigentlich hat es euch sehr gut gefallen. Schließlich war es ganz neu.

Kleidung als Zugehörigkeit

Kleidung gehört zu den größten Statussymbolen unserer Gesellschaft und ist in vielen Kreisen entscheidend für die Zugehörigkeit. Während teure Marken häufig mit Erfolg und Lebensqualität assoziiert werden, wird günstige Kleidung gesellschaftlich oftmals weniger wertgeschätzt. Auch das eigene Selbstwertgefühl kann durch Kleidung gesteigert werden.

Auch Gruppenzwang hat einen großen Einfluss auf unsere Kleidung. Eine US-Studie des Journal of Humanities, Education and Cultural Reform (JHECR) zeigt, dass mehr als 90 Prozent der 18- bis 20-Jährigen bei ihren Kaufentscheidungen spürbar durch ihren Freundeskreis geprägt werden. Auch Mobbing kann unser Kaufverhalten beeinflussen. Die wenigsten würden sich ein T-Shirt kaufen, wenn eine Klassenkameradin wegen des gleichen T-Shirts erst kürzlich gemobbt wurde. Unser Umfeld hat also einen großen Einfluss auf unsere Kleidung.

Auch Trends prägen unseren Stil und unser Kaufverhalten. Ob es ein bestimmtes Paar Sneaker oder eine bestimmte Kette ist, die gerade im Trend sind – es fühlt sich nicht gut an, die einzige Person ohne dieses Teil zu sein.

Doch warum ist gerade Kleidung so ein Statussymbol?

Zum einen ist unsere Kleidung ständig sichtbar. Sie gehört zu den ersten Dingen, die andere Menschen an uns wahrnehmen, und man erkennt oft schnell, ob eine Person vermeintlich günstige oder hauptsächlich teure Markenkleidung trägt. Doch genauso schnell wie Kleidung wahrgenommen wird, wird sie meist auch bewertet – Gefällt mir das Outfit der anderen Person? Was für Marken trägt sie? Fällt sie mit ihrem Stil auf? Kleidung ist also letztendlich ein Mittel, um Anerkennung zu gewinnen und Ausgrenzung zu vermeiden.

Schuluniformen als Lösung gegen Ausgrenzung?

In vielen Ländern, vor allem in Großbritannien, sind Schuluniformen bereits weit verbreitet. Ziel ist es, durch einheitliche Kleidung soziale Ungerechtigkeit zu verringern. Wenn alle Schüler das Gleiche tragen, fällt Kleidung als Statussymbol weg. Schüler werden also nicht mehr allein wegen ihrer Kleidung in eine Schublade gesteckt. Es herrscht weniger Markendruck und Mobbing soll dadurch weniger werden.

Dass dies Mobbing jedoch nicht vollständig verhindert, liegt nahe. Auch wenn eine mögliche Ursache beseitigt wird, gibt es noch zahlreiche andere Gründe, aus denen Jugendliche ausgegrenzt werden. Fällt also Kleidung als Statussymbol weg, richtet sich der Fokus einfach auf andere Dinge – Smartphones, Schmuck, Autos und vieles mehr. Letztendlich können Schuluniformen Mobbing also nicht wirklich verhindern, sondern lediglich die Kleidung vereinheitlichen.

Denn was man schnell vergisst: Kleidung ist immer noch eine Art, sich auszudrücken. Sie kann die eigene Persönlichkeit widerspiegeln und Raum für Kreativität schaffen. Denn Mode sollte verbinden, nicht ausgrenzen. Am Ende ist Mode Kunst – und Kunst sollte keinen Platz für Mobbing brauchen.